| Fürther Leichtathleten schaffen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde |
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| Geschrieben von RetroRunning.de | |
Fürther Nachrichten:
Als die Sprinter Rückwärtslaufen lerntenIn Fürth gibt es viele gute Leichtathleten, aber Weltrekordler sind dann doch die Ausnahme: Ein Sprinter des LAC hat es seit kurzem schwarz auf weiß, dass ihm wirklich Außergewöhnliches gelungen ist. FÜRTH - Stefan Siegert sieht eigentlich nicht so aus, als ob ihm noch irgendetwas Muskelkater bescheren könnte. Der 25-Jährige treibt seit Jahren sechs Mal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden Sport. Er läuft die 100 Meter unter elf und die 400 Meter unter 49 Sekunden. Er ist das, was man einen Modellathleten nennt. Diesem Body traut man alles zu. Vor ungefähr einem Jahr stieß Siegert dennoch an Grenzen, noch dazu an solche, die ihn bis dahin überhaupt nicht interessierten. Zum Spaß hatte er sich auf Anregung eines Leichtathletik-Kameraden aus Augsburg darauf eingelassen, seinem Sportlerleben zumindest zeitweise eine andere Richtung zu geben. Nach den ersten Rückwärtssprints war Siegert bewusst, dass in seinem Körper ein paar Muskeln verborgen waren, die er bislang vernachlässigt hatte. Sein Ehrgeiz war geweckt. Hype um Film im Internet Mittlerweile hat der BWL-Student Post aus London erhalten. Absender: Guinness LTD. Zusammen mit den LAC-Kollegen Gene Allen und Sebastian Krauser sowie Roland Wegner, besagtem Augsburger, hat Siegert «relay backwards« einen neuen Weltrekord über 4x100 Meter aufgestellt. Die Zeit von 62,55 Sekunden fand unlängst Eingang ins weltberühmte Guinnessbuch der Rekorde. Das Video, das beim geglückten Rekordversuch in Neustadt an der Waldnaab gedreht wurde, ist im Internetportal You Tube zu bewundern. Knapp 10.000 Klicks sind bereits zu verzeichnen. Rückwärtslaufen ist freilich nichts völlig Neues. Ein Österreicher bewältigte «mit dem Rücken voran« (Der Spiegel) 2003 den ersten Marathon. Auch in Deutschland gibt es eine kleine Gemeinde so genannter Retrorunner. Der von Roland Wegner initierte «Augsburger Rückwärtslauf« ist schon sieben Mal ausgetragen worden. Als Pionier der verkehrten Bewegung gilt Christian Grollé. Der seit drei Jahrzehnten aktive Franzose hält seinen Sport für nicht weniger als «eine der größten physiologischen, psychologischen, sportlichen, spirituellen und soziologischen Revolutionen im menschlichen Abenteuer.« Siegert will nicht missionieren, sondern nur schnell laufen. Vorwärts strebt er die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in Nürnberg an, rückwärts hat er die zweiten Weltmeisterschaften im Visier. Diese finden von 21. bis 22. September in Pietrasanta (Italien) statt. Den Weltrekord über 100 Meter (13,6 Sekunden) hält Siegerts Mannschaftskamerad Wegner ebenso wie den über 200 Meter (32,38 Sekunden). Gold über vier Mal 100 Meter dürfte dem Weltrekord-Quartett schwer zu nehmen sein. Ortstermin auf der Anlage des TV Fürth 1860: Beim Schaulaufen für den FN-Fotografen zieht Siegert seiner vorwärtssprintenden Freundin Janine Bartula (26) locker davon. Seine Spikes scheinen den Boden nur zu tupfen, sein Oberkörper steht völlig aufrecht, als ob er von einem unsichtbaren Band gezogen würde. «Du musst dich quälen« Wie so oft steckt hinter dem, was in Vollendung leicht und locker daherkommt, harte Arbeit. Ohne spezielles Training kommen beim Richtungswechsel selbst sehr gute Leichtathleten nicht aus. «Du musst dich wirklich quälen«, sagt Siegert. Und total konzentrieren, um das Gleichgewicht zu halten. Im Rückwärtsgang ist eine Kurve auf der Tartanbahn eine echte Herausforderung. «Man braucht Vertrauen«, meint Siegert lapidar. Noch gilt Rückwärtslaufen als Domäne von ein paar Spinnern. Aber die Protagonisten der Szene träumen bereits von Olympia. «Warum sollte diese Sportart in fünf bis zehn Jahren nicht genauso anerkannt sein wie Vorwärtslaufen?«, fragt Siegert. Bis es so weit ist, suchen die Vier aus Augsburg und Fürth nach anderen Wegen, um ihr Hobby populär zu machen. Bei der Redaktion von Thomas Gottschalks «Wetten, dass...?« haben sie eine Wette eingereicht. Sie wollen 400 Meter zu viert rückwärts schneller zurücklegen als ein Fußballprofi in normaler Laufrichtung. Noch gibt es keine Zusage. Kurt Heidingsfelder Quelle: Fürther Nachrichten, 21.06.2008 |
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