Bereits zum zweiten Mal richteten die International-Retro-Runner (IRR) ihre Weltmeisterschaft aus. Gastgeber war dieses Mal das italienische
Pietrasanta. Knapp 100 Athleten aus insgesamt 10 Nationen traten über zwei Tage hinweg in den sportlichen Wettstreit um die Medaillen. Die weiteste Anreise hatten Athleten aus Spanien, Irland, Türkei, Brasilien und Taiwan.
Auf den Strecken 100m, 200m, 400m, 800m, 1500m, 3000m, 5000m, 10.000m, 4x100m, 4x400m wurde in den Klassen Erwachsene und Master (ab 50 Jahre) gewertet, so dass eine Vielzahl von Medaillenentscheidungen anstanden. Für den Nachwuchs (bis 18 Jahre) standen 100m, 200m, 400m und 4x100m auf dem Plan.
Noch vor zwei Jahren wurden in der Schweiz lediglich 100m, 400m, 800m, 3000m und 4x100m ausgetragen.
Die Nationenwertung gewann Italien vor Deutschland und Österreich.
100m
Es war die wohl spannendste Entscheidung der Veranstaltung überhaupt. Der Titelverteidiger Roland Wegner (Deutschland) hatte in Aslan Omer aus der Türkei einen starken Gegner gefunden, der ihm im Finale beinahe ein Fotofinish aufzwing. Mit 15,70 zu 15,80 Sekunden war Wegner eine halbe "Rückenbreite" vor dem Orientsprinter im Ziel. An eine neue Bestleistung war für Wegner nicht zu denken, da ihn 2 Tage vor der Veranstaltung eine Lebensmittelvergiftung körperlich schwächte. Bronze gewann Alessandro Franceschi aus Italien mit 16,90 Sekunden.
Bei den Frauen ging Gold ebenfalls an die Titelverteidigerin. Simone Kühn aus Österreich benötigte für die 100 Meter 19,30 Sekunden. Ein misslungener Start war verantwortlich, dass sie an die vor zwei Jahren erlaufene Weltrekordzeit von 17,80 Sekunden nicht herankam. Rang 2 belegte die Italienerin Monica Corradi (24,30 Sekunden) vor Patrizia Baccioni (27,50 Sekunden), ebenfalls Italien.
200m
Als Überraschung des ersten Tages ist es zu bezeichnen, als der Türke Omer Aslan mit fantastischen 32,40 Sekunden nah an den Weltrekord von Roland Wegner (32,38 aus dem Jahre 2004) heranlief und den Deutschen damit "vor" sich ließ. Dieser konnte sich mit 34,10 Sekunden lediglich die Silbermedaille sichern. Bronze gewann Nicola Fabbiani mit 36,00 Sekunden. Für Österreich konnte Simone Kühn abermals eine Goldmedaille gewinnen, welche allerdings überwiegend aus (künstlerisch hochwertig verziertem) Glas bestand. Simone Kühn benötigte auf der halben Stadionrunde 41,40 Sekunden. Sie war damit klar vor den Italienerinnen Rita Loberti (51,80 Sekunden) und Elena Rossetti (58,50 Sekunden).
400m
Wieder Omer Aslan (73,50 Sekunden) vor Roland Wegner (79,70 Sekunden). Retrorunning-Promoter Wegner konnte zwar seine eigenen Erwartungen nicht ganz erfüllen, sieht es aber als Gewinn für diese neue Sportart an, wenn es zu interessanten Duellen kommt, bei denen die Sieger nicht schon vorab feststehen. Rang 3 ging an Franz Wirth (Deutschland) mit 84,20 Sekunden.
Simone Kühn hätte sich durchaus auch über stärkere Konkurrenz gefreut, um noch bessere Zeiten erzielen zu können. So erlief sie sich mit sicherem Vorsprung vor Rita Loberti (Italien, 1:50,50 Minuten) und Brigitte Kuen (Deutschland, 1:56,70 Minuten) ihren dritten Weltmeistertitel in 1:48,40 Minuten.
800m
Eigentlich warteten alle auf ein spannendes Duell zwischen Brian Godsey (USA) und Thomas Dold (Deutschland). Doch Godsey musste kurzfristig aus beruflichen Gründen seine Teilnahme absagen, so dass für Dold der Weg frei war. Er siegte in 2:31,30 Minuten vor Franz Wirth (ebenfalls Deutschland), der 2:57,50 Minuten für die beiden Stadionrunden benötigte. Dold stellte damit auch einen neuen Weltrekord auf. Dritter wurde Nicolo Catellani aus Italien mit 2:58,80 Minuten. Die Medaillen bei den Frauen machte Italien unter sich aus. Marga Dolfi (3:50,70 Minuten) vor Rita Loberti (3:50,80 Minuten) vor Ambra Miniati (5:00,90 Minuten).
1500m
Über diese Strecke hatten Vertreter anderer Länder keine Chance gegen die Übermacht Italien. Bei den Männern gewann Nicolo Catalani (6:12,20 Minuten) vor seinen Landsmännern Paolo Tarabella (6:21,70 Minuten) und Massimo Gozzo (6:38,70 Minuten). Marga Dolfi (8:06,70) holte Gold vor Nina Elise Pursiainen (8:43,50 Minuten) und Carla Caregnato (8:57,90 Minuten).
3000m
Kerstin Metzler-Mennenga aus Liechtenstein gewann mit 14:40,60 Minuten vor Marga Dolfi (16:11,90 Minuten) und Carla Caregnato (18:29,30 Minuten), beide Italien. Bei den Männern dominierte wieder Thomas Dold aus Deutschland. 11:51,20 Minuten zeigte die Uhr bei Zielannahme an. Silber ging an Rinaldo Inäbnit aus der Schweiz (13:47,30 Minuten), Bronze an Moreno Tommasi aus Italien (14:27,90 Minuten). Der Weltrekord liegt hier bei 11:19,98 Minuten, gehalten vom abwesenden Brian Godsey.
5000m
Wieder dreimal Edelmetall für die männlichen Atleten aus Italien! Fabrizio Franceschi mit 22:11,60 Minuten ließ sich dieses in Gold um den Hals hängen, Giuseppe Rucci (22:50,90 Minuten) in Silber und Paolo Tarabella (23:31,60) in Bronze. Einen neuen Weltrekord stellte bei den Frauen Kerstin Metzler-Mennenga auf. Die Läuferin aus dem Kleinstaat Liechtenstein benötigte 24:11,60 Minuten. Ihr folgten mit großem Abstand Nina Else Pursiainen aus Italien (32:11,10 Minuten) und Carla Caregnato (32:23,90 Minuten), ebenfalls Italien. Außerdem erwähnenswert ist hier die Goldmedaille bei den Master. Ching-Kuang Hsueh ("Backmantony") reiste eigens aus Taiwan an, um seinen 170. Rückwärtswettbewerb zu bestreiten. Vom seinerzeitigen Präsidenten der USA, Bill Clinton, erhielt er eine Auszeichnung über seine vielfältige Sportcelebration. Backmantony bestreitet nämlich all seine Wettkämpfe rückwärts: auf dem Fahrrad, beim Treppenlaufen, Inlineskaten oder Laufen. Letztes Jahr lief er als einziger den Berlin-Marathon mit dem Rücken voran. Für die 5000m bei der Retro-WM benötigte der 58-jährige 28:54,90 Minuten.
10.000m
Lange war es ein spannendes Rennen. Aber nur für Fabrizio Franceschi (Italien) 48:25,10 Minuten endete es mit dem Weltmeistertitel. Vizemeister wurde sein Landsmann Giuseppe Rucci (49:20,60 Minuten). Zur Überraschung aller holte ein Deutscher die Bronzemedaille. Achim Aretz aus Münster zauberte 51:46,20 Minuten auf die Tartanbahn, und das bei seinem allerersten Rückwärtswettkampf. Er ließ damit Rinaldo Inäbnit (Schweiz) und Franz Meier (Deutschland) "vor sich", die beide weitaus mehr Erfahrung in dieser Bewegungsform haben.
Einen weiteren Weltrekord erlief sich Kerstin Metzler-Mennenga aus Liechtenstein. Die Ausdauerathletin benötigte für die 25 Laufbahnrunden 51:53,20 Minuten. Damit hält sie nun ingesamt vier Weltrekorde (Marathon, Halbmarathon, 10 Km, 5 Km).
Für eine besondere Aufmerksamkeit bei den Zuschauern sorgte Jane Lucia Santos Marcelino. Die Brasilianerin (Altersklasse Master) lief nicht rückwärts, sondern sie tanzte sich mit Musik im Ohr in 1:23:34,80 Stunden über die zehn Kilometer rückwärts und lächelnd ins Ziel.
4 x 100m
Es war bereits dunkel, als der erste Wettkampftag mit der Staffel über 4 x 100 Meter abgeschlossen wurde. Unter Flutlicht gewann hier erwartungsgemäß die deutsche Staffel. In der Besetzung Fabian Böck, Franz Wirth, Roland Wegner und Albert Vogg konnte nach drei Sicherheitswechsel mit einer Zeit von genau 70,00 Sekunden die italienische Staffel (Nicolo Catellani, Nicola Fabbiani, Luca Ginanni, Nicola Ortolani) in Schach gehalten werden, die mit 76,50 Sekunden das Ziel erreichte. Deutschland II (Franz Maier, Christoph Diehl, Achim Aretz, Gunnar Öhlschlägel) gewann Bronze in 85,40 Sekunden.
Bei den Frauen siegte Italien (Marga Dolfi, Carla Caregnato, Monica Corradi, Ambra Miniati) mit 1:45,80 Minuten vor Spanien/Katalonien (2:16,10 Minuten).
Juniorenentscheidungen, 100m, 200m, 400m, 4x100m:
Beim Nachwuchs waren die deutschen Athleten tonangebend. Anke Lang siegte mit 18,30 Sekunden über 100 Meter vor ihrer Vereinskollegin Isabella Wagner, die 18,60 Sekunden benötigte.
Niclas Kuen holte Gold in 16,50 Sekunden vor Marius Brahm (16,80 Sekunden).
Auf der doppelten Distanz zeigte Rekordhalterin Isabella Wagner ihr großes Talent und siegte mit 39,00 Sekunden vor Anke Lang (40,70 Sekunden). Überraschend die Zeit von Fabian Böck. Mit 34,50 Sekunden gewann er vor Niclas Kuen, der 34,90 Sekunden benötigte.
Über die Stadionrunde wiederholten die 200m-Gewinner ihre Erfolge. Isabella Wagner (1:38,00 Minuten) vor Leonie Kuen (2:01,10 Minuten) und Fabian Böck (1:28,60 Minuten) vor Simon Rottenegger (1:33,50 Minuten) hießen hier die Sieger und Junioren-Weltmeister.
Es war daher nicht verwunderlich, dass auch die jeweiligen 4x100m-Staffeln mit Gold ausgezeichnet wurden.
Die nächste Weltmeisterschaft wird 2009 entweder in Graz, Barcelona oder in Augsburg ausgetragen.
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